Unsere Geschichte

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Unsere Geschichte: das industrielle Erbe

Seit undenklichen Zeiten hat das ergiebige, mit regelmäßiger Strömung dahinfließende  Wasser der Sorgue die erforderliche Antriebskraft für Handwerk und Industrie geliefert. Schaufelräder hatten seit dem 12. Jahrhundert den Bau von Getreidemühlen und später die Einrichtung von Werkstätten für die Bearbeitung von Wolle und Seide ermöglicht, wie auch der Färberröte, die im 18. Jahrhundert im Comtat Venaissin eingeführt wurde. Der Färberkrapp hat eine eigene industrielle Tätigkeit in Le Thor geschaffen und wurde zum Zeichen des Wohlstandes der Städte, die von der Existenz der Sorgue lebten.

Die Papierindustrie in Fontaine de Vaucluse

Die Papierherstellung in Fontaine de Vaucluse geht auf das 16. Jahrhundert zurück: die Archive  berichten von einem Brand, der im Jahre 1562 die Papierfabrik im Stadtviertel Les Martinets zerstörte.   Der Herr von Vaucluse, Esprit Sagnet, überließ den Bewohnern von Vaucluse zu dieser Zeit Grundstücke an den Ufern der Sorgue, die zum Bau von  Papierfabriken genutzt wurden, sowie die Mühle an der Brücke, le Moulin du Pont. Bis zum 18. Jahrhundert waren die Mittel sehr einfach  (hölzerne Schaufelräder, Klopfhölzer, mit denen man in Wassertrögen aus Holz oder Stein arbeitete) und wurden vor allem im Familienbetrieb bewirtschaftet. Die Frauen der Papierfabrikanten hatten die ungesunde Aufgabe, die Lumpen zu zerreißen, die aus alten Kleidungsstücken, Wäsche und gebrauchten Verbänden aus den Krankenhäusern des Venaissin, des Vivarais und des Dauphiné gesammelt worden waren. Trotz etlicher technischer Verbesserungen, die ab Ende des 18. Jahrhunderts eingeführt wurden, blieb die Produktion bescheiden.   

 

Im Jahr 1839 ging die Rentabilität der Papierfabriken zurück, da es an Investitionsmöglichkeiten zur Modernisierung fehlte, was zur Folge hatte, daß die Besitzer sehr oft wechselten. Im selben Jahr tauchte die erste mechanische Papiermaschine auf: Wasserturbinen ersetzten die Schaufelräder, um die nötige Elektrizität zu erzeugen. Die Qualität des Papiers veränderte sich.   

 

Damit die Papierfabrikanten überleben konnten, wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts der Zuschuß von Fremdkapital nötig. Die beiden letzten bestehenden Fabriken wurden modernisiert, die Techniken weiterentwickelt, neue Arten von Papier wurden eingeführt:  Seidenpapier, Tissuepapier, Zigarettenpapier waren der Stolz des Vaucluse.

Auf diese Blütezeit folgte der wirtschaftliche Niedergang von 1930.

Nach dem Krieg - in den sechziger Jahren - war es die internationale Konkurrenz, die der Papierindustrie im Vaucluse des Gnadenstoß versetzte. Die letzte Fabrik schloss ihre Tore im Jahr 1968. 

 

Heute können Sie in Fontaine de Vaucluse « Le moulin à papier » besichtigen; es hat seine Tätigkeit wiederaufgenommen und stellt Papier nach den Methoden des 18. Jahrhunderts her. Le Moulin à Papier wird mit Hilfe eines Wasserrads von 7 Metern Durchmesser mit 48 Schaufeln von je zwei Metern Breite betrieben.

Le Moulin à papier - Chemin de la Fontaine - 84800 Fontaine-de-Vaucluse. Eintritt kostenlos.

 

 

Die Schaufelräder

Die natürliche Energie des Wassers der Sorgue begünstigte die Ansiedlung von zahleichen industriellen Tätigkeiten. Die Stadt zählte bis zu sechsundsechzig Schaufelräder an ihren Wasserläufen. Ab dem 12. Jahrhundert sind Mühlen in den Aufzeichnungen erwähnt; wahrscheinlich dienten sie vor allem dazu, Getreide zu mahlen. Aber schon im nächsten Jahrhundert ist die Existenz von Tuchmachern bezeugt; später kommen Papiermühlen hinzu, danach die Seidenherstellung und die der Färberröte in Le Thor (das Rad "de la Garancine" steht heute noch an der Brücke).

 

Die Sorgue liefert seit Jahrhunderten die Antriebskraft für zahlreiche Fabriken. Im 13. Jahrhundert wurden in L'Isle die allseits sehr geschätzten Bettücher, "blanquets" genannt, hergestellt; sie dienten dazu, die Bettstätten abzudecken und sind die Vorfahren unserer heutigen Laken.

 

Zur heutigen Zeit stehen noch 17 Schaufelräder an verschiedenen Armen der Sorgue. Sie haben nur noch eine "dekorative" Funktion; dennoch sind geben sie ein fesselndes Schauspiel ab.  

Jedes Dorf hat sein Spezialgebiet: in l’Isle sur la Sorgue sind es die Seidenspinnerei und die Färbereien, in Le Thor die Färberröte und die Getreidemühlen, in Fontaine de Vaucluse die Papierherstellung. Ein spezieller "Service Sorgue" der Verbandsgemeinde kümmert sich um die Wartung und die Einsetzung neuer Mühlen.

 

Wollfabrik BRUN DE VIAN TIRAN

Die letzte Manufaktur von l’Isle sur la Sorgue, ein Familienbetrieb, besteht seit 1808 und führt die gesamte Herstellung selbst durch: Spinnen, Weben und Veredelung, für Decken, Plaids, Steppdecken, Stolen und Schultertücher aus Edelfasern der ganzen Welt: Merino, Mohair, Alpaca, Lama, Kamelhaar, Cachemire, Seide, Yak… und vor allem aus der Merinowolle von Arles Antique, einer lokalen Merinoschafart , die die feinste Wolle Europas liefert und zu einer Exklusivität von Mérinos BRUN DE VIAN-TIRAN geworden ist.

Die Manufaktur selbst kann nicht besichtigt werden, aber sie besitzt einen Ausstellungsraum in der Boutique  « Un jour… linge de maison » - 8, place Ferdinand Buisson – 84800 L’Isle sur la Sorgue

 

Die Noria von Châteauneuf de Gadagne

Châteauneuf de Gadagne hat das Privileg, im Park des Château de la Chapelle eine Noria zu besitzen - eine altüberlieferte Wasserschöpfmaschine, von denen es nur noch sehr wenige in betriebsfähigem Zustand gibt.  Die Maschine besteht aus einer Reihe von Förderbechern, die abgesenkt werden, um das Wasser zu schöpfen, es dann nach oben bringen und in ein Becken schütten, aus dem es durch eine Rinne in einen Bewässerungskanal ausfließt und Blumen und Gemüse wässert. Der Antrieb wird von Zahnrädern an einer horizontalen Achswelle gesichert; früher wurde die Maschine von einem  Arbeitstier, das den ganzen Tag im Kreis gehen mußte, angetrieben.  

Der provenzalische Name der Noria ist "Pouzaraque" und stammt von den Worten pouso: schöpfen, und raca: ausspeien ... Die Maschine schöpfte tatsächlich das Wasser, um es in die Becken und Kanäle "auszuspeien" und so die Gärten des Schlosses zu bewässern.  

 

Waschhäuser

Entlang der Kanäle von L’Isle sur la Sorgue kann man noch zahlreiche Waschhäuser bewundern: Quai Jean Jaurès, Bassin de Bouïgas, Esplanade Robert Vasse, Quai de la Charité, Lices Berthelot, le Portalet, Avenue Fabre de Sérignan... Zum Abschluß des Rundgangs begeben Sie sich nach Châteauneuf-de-Gadagne. Sie können das Waschhaus im unteren Dorfteil besichtigen, und wenn Sie in den kleinen Straßen umherstreifen und dann an der Stadtmauer entlangspazieren, kommen Sie zum Waschhaus im oberen Dorfteil.  

In Saumane gibt es zwei Waschhäuser unter dem Belfried.